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Strom - Wechselbereite Kunden setzen Energieversorger unter Druck

Elektrischer Strom ist eine unverzichtbare Energiequelle in jedem Haushalt. Kühlschrank und Waschmaschine, Fernseher und Computer, nicht einmal die Heizung funktioniert ohne Strom. Wir haben uns an die bequeme Energiequelle aus der Steckdose gewöhnt. Wie groß unsere Abhängigkeit geworden ist, merken wir erst bei einem Stromausfall. Für eine so wichtige Leistung könnte der Energieversorger eigentlich einen fast beliebig hohen Preis nehmen, und wir müssten ihn zahlen.

Glücklicherweise bietet aber ein liberalisierter Strommarkt einen Wettbewerb, von dem die Verbraucher profitieren.

Bundesnetzagentur und Verbraucherschützer in seltener Übereinstimmung

Stromanbieter vergleichen & wechseln

Bereits seit 1998 ist die Liberalisierung des Energiemarktes in Deutschland umgesetzt. 2005 wurde die Bundesnetzagentur gegründet, die den Markt kontrolliert und einen diskriminierungsfreien Zugang der vielen Anbieter zu den Leitungsnetzen gewährleisten soll. 2009 beschloss die Europäische Union das dritte Energiepaket, ein Gesetzesvorhaben, das jedem Verbraucher den Wechsel des Stromanbieters innerhalb von drei Wochen garantiert, soweit nicht längerfristig abgeschlossene Verträge entgegenstehen. Deutschland hat die europäischen Vorschriften im Energiewirtschaftsgesetz, der Niederspannungsanschlussverordnung und der Stromgrundversorgungsverordnung in nationales Recht umgesetzt.

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Elektrischer Strom ist eine unverzichtbare Energiequelle in jedem Haushalt.

Dennoch sind mehr als ein Drittel aller Haushalte immer noch im Grundversorgungstarif ihres lokalen Anbieters, der vor der Liberalisierung das örtliche Monopol für die Stromversorgung inne hatte. Weitere 45 % haben bei ihrem regionalen Versorger einen Sondertarif abgeschlossen. Immerhin etwas, wenn auch höchstwahrscheinlich nicht die billigste Möglichkeit. Verbraucherschützer und Bundesnetzagentur ziehen an einem Strang, wenn sie die Menschen auffordern, Tarife zu vergleichen und gegebenenfalls zu wechseln. Der Grundtarif ist in aller Regel die teuerste Möglichkeit, Strom zu beziehen. Die mögliche Ersparnis beträgt je nach Größe des Haushalts mehrere hundert Euro im Jahr. Single-Haushalte sparen im Schnitt etwas 200 EUR, Familien fast 400 EUR. Und das ist nur der Durchschnitt, in vielen Fällen ist also auch deutlich mehr drin.

Zwar gibt es bei jeder Preisrunde der Energieversorger einen gewissen Prozentsatz wechselwilliger Kunden. Knapp vier Millionen Tarifwechsel zählt die offizielle Statistik Jahr für Jahr. Bei vierzig Millionen Haushalten in Deutschland ist das aber nicht gerade viel. Und davon muss man auch noch mehr als eine Million Anbieterwechsel abziehen, die durch Umzüge bedingt sind. Dem gegenüber steht eine erschreckende Unkenntnis der Menschen, was die eigenen Ausgaben für Strom betrifft, besonders in der ansonsten voll vernetzten jungen Generation. Jeder Dritte unter dreißig kennt den Betrag seiner Stromrechnung nicht.

Energieversorger rechnen mit der Bequemlichkeit ihrer Kunden

Wer seinem zu teuren Stromanbieter den Rücken kehrt, tut nicht nur seinem eigenen Haushaltsbudget einen Gefallen. Er sorgt auch dafür, dass der Wettbewerb auf dem Energiemarkt funktioniert. Auf Anbieterseite ist das schon lange so. Strom wird an Börsen gehandelt, zum Beispiel an der European Energy Exchange. Das sichert einen Preis, der sich aus Angebot und Nachfrage ergibt. Die vier großen Versorger in Deutschland, E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall Europe, produzieren 80 % des Stroms in Deutschland. Sie rechnen ebenso wie die lokalen Stadtwerke damit, dass stets nur ein kleiner Teil der Kunden Preise vergleicht und sich aktiv um neue Verträge kümmert. Solange sie immer noch fette Marktanteile haben, sind sie nicht zu Preisreduzierungen gezwungen, auch wenn sie den Strom an der Börse billiger einkaufen können.

Ein wenig Mitleid mit den Energieriesen kann man ruhig haben, denn sie stehen derzeit auch einem ganzen Berg von Problemen gegenüber. Die Kraftwerkskapazitäten stammen aus der Zeit vor der Deregulierung des Marktes, sie stellten seinerzeit beinahe risikolose Investitionen dar. Nun sehen sich die Versorger einem komplexen Geflecht aus Billigstrom, Naturstrom und dergleichen gegenüber, müssen zusätzlich den Atomausstieg stemmen und sich außerdem mit erneuerbaren Energien und Emissionshandel auseinandersetzen. Da das alles nicht zum Nulltarif zu haben ist, gibt es Steuern, Abgaben und Umlagen, die mehr als die Hälfte des Strompreises ausmachen. Die Mehrkosten müssen mindestens teilweise an die Verbraucher weitergegeben werden, da die erhofften Effizienzsteigerungen im liberalen Energiemarkt weitestgehend ausgeblieben sind.

Stromrechner richtig füttern

Bei allem Verständnis dafür, dass der Energieversorger freiwillig keinen niedrigeren Preis anbietet, soll das nun aber nicht heißen, dass der Verbraucher aus Solidarität für notleidende Energiekonzerne seinen Strom freiwillig zu teuer bezahlen soll. Im Gegenteil, nur ein hoher Anteil an Tarif- und Anbieterwechseln sorgt für einen funktionierenden Markt. Verschiedene Verbraucherportale im Internet bieten Vergleichsrechner für Strompreise. Bei ihrer Nutzung sind einige Besonderheiten zu beachten, um das wirklich günstigste Angebot zu finden.

Zunächst müssen Sie sich immer vor Augen halten, dass die Portale nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit existieren. Sie müssen sich finanzieren, und das tun sie durch Werbung und Provisionen. Nutzen Sie mehrere Portale, denn möglicherweise sind nicht alle Anbieter in jedem Vergleich gelistet. Unterscheiden Sie sorgfältig Anzeigen von Vergleichsergebnissen. Achten Sie auch auf Kundenbewertungen. Legen Sie Wert auf Ökostrom, sollten Sie auf allgemein anerkannte Label setzen.

Seien Sie vorsichtig bei Pakettarifen, mit denen Sie eine bestimmte Energiemenge, gemessen in Kilowattstunden, kaufen. Das ist nur sinnvoll, wenn Sie Ihren Jahresverbrauch genau kennen und dieser unabhängig von der Witterung sehr konstant ist. Nicht genutzte Kontingente sind verloren, ein Mehrbedarf muss meist teuer nachgekauft werden. Üppige Vorauszahlungen sollten Sie stutzig machen. Geht der Anbieter in die Insolvenz, ist das Geld in aller Regel weg. Sie stehen zwar nicht ohne Strom da, denn der Grundversorger ist automatisch wieder in der Pflicht, Sie müssen aber neu bezahlen. Achten Sie weiterhin auf Sonderkonditionen, die für Neukunden nur zeitlich befristet gelten. Das bedeutet automatische Preiserhöhungen in der Zukunft, wenn Sie nicht rechtzeitig kündigen. Wollen Sie sich nicht jedes Jahr aufs Neue mit einem Tarifwechsel beschäftigen, wählen Sie die Neukunden-Option am besten im Vergleich von vornherein ab.

Anbieterwechsel leicht gemacht

Vor dem Wechsel selbst brauchen Sie keine Angst zu haben. Die Bundesnetzagentur achtet darauf, dass der bisherige Vertragspartner Ihre Rechte achtet. Eine Grundversorgung können Sie mit einer Frist von 14 Tagen kündigen. Bei anderen Verträgen gelten individuelle Laufzeiten, meist ein oder zwei Jahre, mit Kündigungsfristen von zum Beispiel drei Monaten vor dem Vertragsablauf. Schreiben Sie sich den spätesten Kündigungstermin in den Kalender, damit sie ihn nicht verpassen. Außerordentlich, also ohne Einhaltung der vereinbarten Laufzeit, können Sie bei Preiserhöhungen kündigen.

Versorgerwechsel bedeutet nicht, dass auch der Zähler ausgetauscht werden muss. Die Stromversorgung wird keinesfalls unterbrochen, wie Sie es vielleicht vom Wechsel des Telefonanbieters kennen. Sie müssen lediglich die Zählernummer und den letzten Jahresverbrauch mitteilen. Notieren Sie auf jeden Fall den Zählerstand zum Wechseltermin, dokumentieren Sie ihn möglichst vor Zeugen oder mit einem Foto. Üblicherweise erledigt Ihr neuer Vertragspartner alle Formalitäten. Auch der Service bei einer Netzstörung wird nicht anders, denn für die Leitung ist nach wie vor das regionale Unternehmen zuständig. Also, worauf warten Sie noch?

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